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29 Jun

Bloggen ist kein Beruf

…und wird auch nie einer werden…

6:30 Uhr, der Wecker klingelt, ein Blick auf mein Handy und mit leichter Überforderung, sehe ich 350 noch nicht gelesene Nachrichten auf Whatsapp. Ich weiß, es um muss sich um eine hitzige Diskussion in unserer Blogger-Gruppe handeln, denn nur dort kann eine solche Summe an Nachrichten zustande kommen. Anlass für diese Diskussion ist ein Foto, gepostet von einem der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands. Mit ihm auf dem Foto, ist die (meiner Meinung nach) erfolgreichste Bloggerin Deutschlands. Die Caption: „ Hab sie nach ihrem Beruf gefragt, sie hatte keine Antwort.“ Die Äußerung des Schauspielers sehe ich gar nicht als Problem, ich lese die Ironie heraus, muss selber ein wenig schmunzeln und weiß, dass über dieses Thema immer mal wieder ein Witz gerissen wird. Ist ja auch in Ordnung, wir Blogger nehmen uns gegenseitig auch oft genug auf die Schippe. Was mich heute morgen aber dennoch extrem stört, sind die Kommentare darunter. Ich muss ehrlich zugeben, ich habe in letzter Zeit völlig vergessen, dass man den Beruf Blogger in irgendeiner Weise rechtfertigen müsste. Klar es gab diese Zeiten, aber ich dachte wir wären darüber hinweg. Zumindest fühlte es sich so an. Vorbei die Zeiten in denen Blogger Artikel zu diesem Thema veröffentlichen um der Welt zu erklären wie unsere Arbeit funktioniert, beziehungsweise um der Welt zu erklären, dass es sich tatsächlich um Arbeit handelt. Folgende Aussagen machen mich extrem sauer. Die Kommentare habe ich teilweise der deutschen Rechtschreibung angepasst.

„ Ich werde jetzt auch einfach Blogger“ – Ein Satz, der für mich, der persönliche Horror ist. Ich habe diesen Satz schon so oft gehört, auch im engeren Bekanntenkreis fällt er häufig. Ich weiß nicht warum gerade diese sechs Worte mich so sauer machen, aber es degradiert ALLES wofür ich und meine geschätzten Kollegen, jahrelang gearbeitet haben zu einer einfachen, lächerlichen Sache.

Natürlich gab es auch sinnvolle Kommentare. Diese werden dann häufig mit einer Flut an noch mehr Unsinn überstrahlt. Aber lest selbst:

„Eine Kombination von Medienpräsenz zum Beruf zu machen, die erst seit so kurzem möglich ist, dass es dafür noch keinen Begriff gibt, ist kein Grund ausgelacht zu werden.“

Nun folgt die Antwort und mein persönliches Highlight der gesamten Kommentare:

„Doch, weil man kein Geld verdient, nicht gesetzlich versichert ist und es keine Arbeit ist. Der Witz ist übrigens nicht die andeutende Frage, sondern Ihre Antwort ist der Witz. Sowas wie bloggen macht man privat aus Freude und Spaß und nicht um produktive Arbeit abzuliefern. Sie hat es nicht zum Beruf gemacht weil es eben kein Beruf ist. Es ist auch falsch, dass es erst seit kurzem „so“ möglich ist. Diese Tätigkeit ist noch lächerlicher als Fotomodel, wo man zumindest die Bilder von sich an Magazine, Kataloge, etc. verkaufen kann. Aber eine einfache Medienpräsenz zu sein, die alles fotografiert, was sie oder so machen würde, hat keinerlei höheren Sinn oder Zweck und wird NIEMALS anerkannt werden, weil es zum Glück noch Menschen gibt, die in der Realität leben und wissen, dass das reiner Schwachsinn wäre so was zu genehmigen, weil dann jeder Youtuber mit 2 Abonnenten sich diesen Beruf aussuchen kann. Ist zu einfach, macht zu viel Spaß, gibt gar kein Geld und bist versichert… So soll ein Leben aussehen? Lange Rede kurzer Sinn: Bloggen ist kein Beruf und wird auch niemals einer werden. Das macht man privat als Hobby und mehr nicht.“

Okay, dieser Kommentar ist so falsch, so falsch auf so vielen Ebenen. Ich möchte Ihn gar nicht bis auf das kleinste Detail diskutieren, aber ein paar Zeilen, möchte ich doch noch mal aufgreifen.

„Doch, weil man kein Geld verdient, nicht gesetzlich versichert ist und es keine Arbeit ist.“

Ungern erkläre ich unser Berufsbild noch mal, aber es scheint immer noch nötig zu sein. Wir erstellen kreativen Content, den wir auf einer Website, kostenlos, der Welt zu Verfügung stellen. Wir recherchieren, bringen unsere persönliche Note mit ein und versuchen andere Menschen zu inspirieren. Im Grunde sind wir eine Art online Magazin. Wir verdienen Geld damit, weil es eben doch  Arbeit ist und auch manche von uns sind sogar gesetzlich versichert. Wahnsinn oder?

„Diese Tätigkeit ist noch lächerlicher als Fotomodel, wo man zumindest die Bilder von sich an Magazine, Kataloge, etc. verkaufen kann.“

Noch lächerlicher als“ –darüber brauchen wir gar nicht diskutieren. Weder Fotomodel, noch unsere Arbeit ist lächerlich. Wir Blogger sind übrigens häufig Fotograf, Fotomodel, Redakteur und kreativer Kopf in einem. Faszinierend oder?

Eine sehr geschätzte Bloggerin hat übrigens auf diesen Kommentar reagiert und bekam folgende Antwort:

„(…) Dümmster Mensch ever. Du solltest mal Deine Fähigkeiten erweitern du Nichtsnutz.“

Ich hatte wirklich vergessen dass wir uns immer noch behaupten müssen und bin sehr traurig darüber. Ich war im Glauben, dass wir uns unsere Stellung hart erkämpft haben und dafür, wenn schon nicht respektiert, zumindest akzeptiert werden.

 

Sophia

<p>Sophia ist eine der beiden Gründerinnen des erfolgreichen Mode- und Lifestyleblogs The Skinny and The Curvy One. Als „The Skinny one“ präsentiert sie ihren Lesern nicht nur Mode, sondern nimmt diese auch mit auf Reisen, berichtet über die aktuellsten Lifestylethemen und gibt oftmals auch einen privaten Einblick in ihre Gedanken. Durch die Gründung des Blogs kann Sophia ihre Leidenschaft für Mode zum Ausdruck bringen und hat so genug Raum für ihre Kreativität geschaffen. Dies ist somit der perfekte Ausgleich zu ihrem Medizinstudium.</p>

2 Comments
  • Kathi

    Ich schätze Eure Arbeit und kann mir erahnen welche Mühe und welcher Zeitaufwand dahinter steckt. Es ist nicht jedermanns Sache so dahinter zu stehen und den nötigen Aufwand dafür zu betreiben. Bloß denken leider viele es sei so einfach. Es ist halt auch als Blogger nicht immer alles so easy und voller Freude. Wie für jemanden der in einem Unternehmen um seine Stelle kämpft, müsst ihr es auch tagtäglich tun. Jeder soll das machen was ihn glücklich macht und was er am besten kann. Ich finde eure Arbeit super. Macht weiter so! <3

    29. Juni 2017 at 9:21 Antworten
  • Kristina

    Auch, wenn ich Bloggen nur als Hobby betreibe, stecke ich viel Zeit und Leidenschaft hinein. Und ich sehe, umso wie viel mehr Vollzeitblogger sich bemühen uns (z.T. täglich !) neuen, anspruchsvollen Content zu liefern. Solche Sprüche zeugen einfach nur von Ignoranz und Unwissenheit. Aber das sollten wir uns alle nicht zu sehr zu Herzen nehmen, denn zum Glück gibt es mittlerweile genug Lesern, Unternehmen, PR-Agenturen, etc., die unsere harte Arbeit durchaus zu schätzen wissen! Übrigens ist dein Foto der Hammer 🙂
    Liebe Grüße aus Ingolstadt ♡Kristina
    TheKontemporary

    29. Juni 2017 at 9:29 Antworten

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