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22 Jan

Personal | Medizinstudium

Eins gleich vorab: Ich bin absolut nicht der Prototyp eines Medizinstudenten. Schon in der Schule war ich nicht gerade die Fleißigste… Von der Pubertät gepeinigt (drei Kreuze dass wir alle die Pubertät überlebt haben, besonders unsere armen Eltern), gehörte ich eher zu der „Null Bock Fraktion„, war ein klassischer Hausaufgaben-Abschreiber und auch sonst kein Musterschüler…
Ein Lieblingsfach gab es nicht, alles war irgendwie doof. Im Sportunterricht hatte ich häufiger Unterleibsbeschwerden als es zyklusbedingt überhaupt möglich ist und auch eine angeordnete Attestpflicht war mir nicht fremd. Trotzdem wollte ich immer Medizin studieren und um gleich eine Standardfrage zu beantworten: Nein, ich komme nicht aus einer Ärztefamilie und habe deshalb das Bedürfnis, den gleichen beruflichen Werdegang wie meine Eltern einzuschlagen.

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Um Medizin zu studieren braucht es den Numerus Clausus. Da mein Schnitt nicht gleich diesen Vorgaben entsprach, aber von einem Abiturienten erwartet wird sofort den Masterplan fürs Leben zu haben, entschied ich mich für eine Ausbildung im medizinischen Bereich um meine Wartezeit zu überbrücken.
Nach 3 Jahren dann der Abschluss als „Medizinisch-Technische-Radiologieassistentin„. Diesen Beruf kennen viele nicht weshalb ich Euch kurz und knapp erzähle was „MTRA´s“ so machen: Es gibt drei Bereiche in dieser Ausbildung in denen man später beruflich tätig werden kann: Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Radiologie umfasst alle Möglichkeiten der Bildgebung: Eine MTRA röntgt, fährt CT´s oder MRT`s etc. . Im Bereich der Strahlentherapie führt die MTRA die Bestrahlung der Patienten durch, von der Lagerung bis hin zur Bedienung der Maschinen. Und in der Nuklearmedizin geht es um Behandlungen oder auch um Bildgebung mit radioaktiven Stoffen. Die Ausbildung war mein Plan B, sollte es mit dem Studium nicht klappen. Ob mir das Wissen der Ausbildung im Studium einen Vorteil verschafft hat? Ich würde zu nein tendieren. Natürlich hatte man die Basics der Anatomie schon gelernt, aber die Anforderungen im Studium sind völlig andere, weshalb man im Grunde alls nochmal neu lernen muss.
Tatsächlich hat es direkt im Anschluss mit dem Studienplatz geklappt und ich war überglücklich! Es war immer mein größter Traum Medizin zu studieren und jetzt ging es tatsächlich los. Dementsprechend groß war der Druck. Es ist einfach sein Leben lang den Leuten zu erzählen was man gerne machen möchte. Und klar, damit beeindruckt man sein Gegenüber wenn man erzählt, man möchte später mal Arzt werden. Aber es dann wirklich zu tun und dabei nicht zu versagen… Eine enorme Belastung, die ich auch heute noch mit mir rumtrage, denn solange ich den Abschluss nicht in meinen Händen halte, besteht immer noch die Möglichkeit zu versagen.

Die ersten vier Semester des Medizinstudiums werden als Vorklinik bezeichnet. Man soll sich alle wichtigen Grundlagen aneignen bevor es sozusagen in die Klinik geht. Meine ehrliche Meinung zu diesen 2 Jahren? Es war die Hölle auf Erden. Die Zeit war unglaublich lernintensiv und man wurde den Ansprüchen NIE gerecht. NIE! Es hat mir wirklich nicht sonderlich viel Spaß gemacht, aber es heisst ja immer: Nach dem Physikum wird alles besser, vorher wird nur aussortiert. Das Physikum ist der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung und ein wirklich großer Meilenstein in diesem Studium. Ich glaube ich habe noch nie so viel geraucht wie in der Vorbereitungsphase. Nervlich gesehen war ich ein Wrack und ich habe es gehasst. Doch tatsächlich hat es irgendwie geklappt, ich habe bestanden und bin endlich in den klinischen Teil gekommen. Eine absolute Erlösung! In München ist man währen den ersten vier Semestern an zwei Universitäten immatrikuliert: Der LMU und der TU. Fast alle „entspannteren“ Studenten wollten unbedingt an die TU, darunter auch ich.An der TU ist man in Sachen Zeiteinteilung freier und hat nicht jeden Tag 7 verschiedene Pflichtseminare. Ich besuche sehr selten Vorlesungen, eigentlich nur Pflichtveranstaltungen und lerne lieber für mich alleine kurz vor Prüfungen. Vielleicht habe ich deshalb auch nicht wirklich Freunde im Studium gefunden und bin eher ein Einzelgänger geblieben. Aber ich bin nun mal nach wie vor etwas entspannter, und zähle einfach nicht zu den Studenten die keine Vorlesung verpassen und Abends, den Stoff noch nachbereiten. Wie gesagt ich bin definitiv kein Vorzeige Student und leben eher nach dem Motto “ Minimaler Aufwand, maximales Ergebnis“.
Shame on me, aber so bin ich nun mal. Ich glaube auch nicht, dass ich deshalb weniger  für diesen Beruf qualifiziert bin. Der Umgang mit Patienten und eine gewisse Menschlichkeit zum Beispiel, zählt zu Dingen die man nicht lernen kann. Ich möchte hier niemanden angreifen oder über einen Kamm scheren, aber oft sehe ich Studenten, deren Noten perfekt sind, die immer ALLES wissen, deren Art im Klinikalltag aber mehr als fragwürdig ist. Hin oder her, es ist ein wahnsinnig lernintensives Studium, sobald man aber das Physikum hinter sich lässt wird es angenehmer. Was ich persönlich sehr wichtig finde: Man muss immer sein eigenes Ding durchziehen und darf sich auf keinen Fall von der Hysterie oder dem Wissen anderer unter Druck setzten lassen. Es gibt nun mal Studenten die wollen IMMER zu den Besten gehören und wissen auch immer alles. Ich muss nicht unbedingt zu den Besten gehören und weiss auch nicht immer alles. Trotzdem sind meine Ergebnisse nicht schlecht und ich habe Spaß an diesem Beruf. Meiner Meinung nach kann man auch gar nicht alles wissen. Außerdem sollten auch Medizinstudenten ein wenig in den Genuss des typischen Studentenlebens kommen 😉 .  Die Zeit danach wird hart genug.

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Zu guter Letzt die häufigsten Fragen:

  1. In welchem Semester bist du?
    Im Moment befinde ich mich in einem Freisemester, da ich an meiner Doktorarbeit schreibe. Im April geht es aber wieder los und dann komme ich ins 8. Semester.
  2. Wie ist das Thema deiner Doktorarbeit?
    Unerkannte Fruktoseintoleranz als Cofaktor des Reizdarmsyndroms ein systematischer Review unter besonderer Berücksichtigung der Darmflora
  3. Weisst Du schon in welche Richtung es mal gehen soll?
    Im Sommer hatte ich eine Famulatur in der Dermatologie. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mir eine Spezialisierung als Hautärztin gut vorstellen kann.

Ich hoffe ich konnte ein paar Eurer Fragen beantworten. Wollt Ihr noch mehr wissen? Lasst mir gerne ein Kommentar da. Vielleicht können wir weitere Fragen auch anhand eines Q&A´s klären ? Ich freue mich auf Euer Feedback und wünsche Euch einen schönen Sonntag. Xx. S.

Fotos by : Eileen.


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Sophia

<p>Sophia ist eine der beiden Gründerinnen des erfolgreichen Mode- und Lifestyleblogs The Skinny and The Curvy One. Als „The Skinny one“ präsentiert sie ihren Lesern nicht nur Mode, sondern nimmt diese auch mit auf Reisen, berichtet über die aktuellsten Lifestylethemen und gibt oftmals auch einen privaten Einblick in ihre Gedanken. Durch die Gründung des Blogs kann Sophia ihre Leidenschaft für Mode zum Ausdruck bringen und hat so genug Raum für ihre Kreativität geschaffen. Dies ist somit der perfekte Ausgleich zu ihrem Medizinstudium.</p>

17 Comments
  • Eli

    Liebe Sophia, was für ein toller Beitrag! Du sprichst mir in manchmal Sachen wirklich aus der Seele. Zum Besipieö dieser enorme Druck vor dem Physijum und diese Ungewissheit man könnte immer noch Versagen auch wenn man schon viele Jahre Arbeit in das Stufium investiert hat. Mit den Mitstudenten ist das so eine Sache, ich glaube wenn ich mit einer Ausbildung im Gepäxk und damit auch mit mehr persönlicher Reife ins Studium gestartet wäre, dann hätte mir das viel Verzweiflung erspart. Ich hab direkt nach der Schule begonnen und musste mich erstmal von diesem Klischee Studenten, die eben wie du schreibst überall hingehen und alles nach arbeiten frei machen. Ich würde sagen ich hab das ab dem 6. Semester geschafft und ab da kapiert dass mir Vorlesungen nichts bringen und es ok ist diese nicht zu besuchen! – man dann nicht sofort faul ist! Meine Eltern sind auch keine Ärzte und ich genieße es mein ganz eigenes Ding zu haben! Toll dass du auch nebenbei Blogger und das auch noch so professionell! Mach weiter so, ich bin treue Leserin 🙂 LG Eli

    22. Januar 2017 at 12:20 Antworten
  • Jenna

    Wie immer sehr schön und Ehrlich geschrieben, ich hätte mir nur gewünscht eher Themenbezogene Bilder von dir in diesem Blogpost zu sehen. Alles liebe mach weiter so.

    22. Januar 2017 at 14:22 Antworten
  • Susi

    Wooow. Ein ganz ganz toller Post 🙂 ich wünsch dir viel Erfolg weiterhin, deinen Lebenstraum zu erfüllen 🙂 liebe Grüße, Susi

    22. Januar 2017 at 14:43 Antworten
  • Marcella Wallat

    Liebe Sophia, auch ich habe einen ganz ähnlichen Weg hinter mir. Habe aber die Klinikzeit an der LMU absolviert. Den Druck den du beschreibst kann ich absolut nachvollziehen. Bin mittlerweile fertig und ab und zu kommen noch Druck oder Versagensängste auf. Aber ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen!! Viel Erfolg dir mit dem Rest deines Studiums. Nie den Mut verlieren. Liebe Grüße Celli

    22. Januar 2017 at 15:23 Antworten
  • Doris

    Liebe Sophia! Ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen und du hast das echt super gut geschrieben! Ich kann mir dich auch sehr gut als Ärztin vorstellen und auch das mit der Haut Ärztin passt für meine Begriffe irgendwie gut zu dir auch wenn ich dich natürlich gar nicht kenne aber eben wie du so rüber kommst das wirkt auf mich sehr sympathisch und das ist schon mal ein ganz ganz wichtiger Aspekt für mich persönlich für einen Arzt ! Ich selbst bin auch im Gesundheitswesen tätig allerdings auf der anderen Seite nämlich auf der Krankenversicherungsseite sozusagen …. da begegnete mir letzte Woche ein Arzt schon etwas älter ich schätze mal so gar weit jenseits der 60 und der war sowas von überheblich und arrogant und selbstgefällig dass ich mir nur dachte „so einen Arzt möchte ich nicht haben…!!!“ Was ich damit eigentlich sagen wollte ist: Respekt vor deinem Studium und alles was du so machst ich finde das toll !

    22. Januar 2017 at 21:16 Antworten
  • Elli

    Liebe Sophia, ich verfolge dich jetzt schon seit einiger Zeit und bin ein großer Fan von dir. Ich habe großen Respekt davor, wie du dein Studium, dein Privatleben und uns als deine Follower alles unter einen shut bekommst, erstmal dafür: Chapeau!
    Ich weiß nicht, ob du dich erinnern kannst, aber ich habe während deine Famulatur auf der Dermastation gearbeitet und drück dir fest die Daumen, dass du deine Ziele erreichst und würde mich sehr freuen, dich vielleicht einmal als Dermatologin bei uns begrüßen zu dürfen. Ansonsten folge ich dir weiterhin sehr gern und wünsch dir Alles Gute 🙂

    Liebe Grüße Elli (Derma 3)

    23. Januar 2017 at 0:56 Antworten
  • Beauty Butterflies

    Ein toller Artikel und wirklich spannend etwas darüber zu lesen. Großen Respekt habe ich definitiv davor wie du alles unter einen Hut bekommst. Bzgl. des sozialen Aspektes bei dem Beruf kann ich dir absolut zustimmen! Als Patient ist ein großer Punkt Vertrauen und wenn der Arzt unsympathisch und vor allem unsensibel wirkt kann das echte Probleme mit sich bringen!

    23. Januar 2017 at 14:05 Antworten
  • Laura

    Liebe Sophia, toller Artikel!
    Meine Freundin hat ihn mir geschickt, da ich nach Ungarn fürs Medizinstudium gegangen bin, Ich habe vorher Mode studiert und dann ne Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert..witzig wie oft sich Mode/Kunst und Medizin treffen! Und obwohl ich grade erst angefangen habe, bin ich an manchen Tagen schon total unsicher und leider neigt man in den Stresssituationen ja doch dazu sich zu vergleichen auch wenn man ganz genau weiss wie blöd das ist…. wenn ich sehe wie es einigen meiner Freunde vorm Physikum geht, wird mir schwindelig. Unglaublich viele nehmen Betablocker, Antidepressiva und Schlafmittel. Klar, man muss unheimlich viel leisten und der Lernstoff ist ja auch einfach unmenschlich viel. Aber die Psyche, das ist die wirkliche Herausforderung denke ich. So toll, dass es ziwschendurch solche Studentinnen gibt wie dich, die alles etwas lockerer sehen. Und dass gute Noten noch lange keinen guten Arzt ausmachen, ist uns ja allen klar. Man muss halt erstmal lernen mit dem Druck und der Verantwortung (auch sich selbst gegenüber) umzugehen.
    Toll wie du das händelst, ganz liebe Grüße und viel Erfolg!!
    PS deine Doktorarbeit hört sich sehr sehr interessant an! Viel Spaß ich hoffe es wird wie du es dir erhofft hast 🙂
    Laura

    24. Januar 2017 at 19:48 Antworten
  • Laura

    Liebe Sophia,
    Und irgendwie auch liebe Laura,
    Schöner, ehrlicher Artikel!
    Mich hat’s fürs Medizin Studium auch noch Ungarn verschlagen! Der NC und meine Abinote haben sich nicht so richtig vertragen. Ich habe den Druck hier immer als enorm empfunden, aus mehreren Gründen. Studiengebühren, ständig mündliche Prüfungen, kaum eine Möglichkeit der Uni zu entfliehen. ABER die Leute hier haben es halt irgendwie alle nicht an eine deutsche Uni geschafft, wir sind alle keine typischen Medizinstudenten, das merkt man. Das gleicht vieles wieder aus. Ich bin zum Glück bald fertig, Fange im Sommer mit dem PJ an und bin so froh. Vor dem Physikum ging es mir so wie euch und dann kam ein noch anstrengenderes 3. Jahr und danach war das mit den Prüfungen und dem Stress schon konditioniert. Aber irgendwann hat alles eine Ende und man schafft doch mehr als man oft denkt. Man muss sich oft selbst mehr zutrauen und vertrauen. Gute Ärzte werden nicht im Studium gemacht, da kommt es auf so viel mehr an. Ich weiß nicht wie viele Tränen ich hier schon geweint habe, aber irgendwie gibt es trotzdem nichts anderes was ich lieber tun würde.
    Es tut gut zu sehen, dass es noch mehr Leute so geht wie einem selbst!!! Und Ich bin mir sicher, dass aus dir eine gute Ärztin wird, Sophia 🙂
    Viel Erfolg weiterhin, auch bei der Diss.
    Alles liebe, noch eine Laura

    29. April 2017 at 9:31 Antworten

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